Eine Weltpremiere in der Württemberger Halle in Wittenberg

Vom 20. Mai bis zum 10. September zeigt die Evangelische Landeskirche in Württemberg im Rahmen der Weltausstellung Reformation in der Lutherstadt Wittenberg erstmals Bäume in einer Fassadenbegrünung, die waagerecht an der Wand wachsen sowie einen hängenden Weinberg.

Bei der Weltausstellung  zeigt die Evangelische Landeskirche in Württemberg, welche Geistesleistungen die Reformation in Württemberg hervorgebracht hat und wie sie an der nachhaltigen Gestaltung der Zukunft mitarbeitet. Der Erfindungsreichtum der Württemberger wird auch an der ungewöhnlichen Gestaltung der Württemberger Halle in Wittenberg deutlich werden. Aus dem Haus wachsen drei Bäume waagrecht heraus. Was zunächst ungewöhnlich klingt, doch dahinter steckt ein ausgeklügeltes Konzept:

 

Die waagerecht an der Wand wachsenden Bäume ermöglichen völlig neue Wege in der Fassadenbegrünung, etwa in Großstädten, in denen die Luftbelastung durch Feinstaub und Stickstoffoxide immer mehr zum Problem wird. Mit dem weltweit steigenden Urbanisierungstrend steigt die Notwendigkeit, neuen Raum für Pflanzen in den Städten zu schaffen. Pflanzen können die Luftqualität verbessern und die Luft von Schadstoffen befreien.


Durch die permanente, langsame Drehung wachsen sie waagerecht in den Raum hinein. So ist eine Begrünung bis zwei Meter vor der Fassade möglich. Der größte der drei Bäume in diesem vertikalen Garten gedeiht bereits seit drei Jahren in der Horizontalen. Seitdem wird er permanent gedreht. Entwickelt wurde das innovative Pflanzenversorgungssystem GraviPlant von Visioverdis, einem Start-Up-Unternehmen aus Stuttgart.

Im Rahmen der Weltausstellung Reformation feiert die Entwicklung an der Württemberger Halle ihre Weltpremiere. Das zum Patent angemeldete System besteht aus einer langsam und permanent rotierenden Pflanzeinheit, die mit einer Reihe Sensoren und einer integrierten Wasserversorgung den Status der Pflanze überwacht und selbständig optimiert. Die Sensoren sind mit einer eingebetteten Software verknüpft, welche pflanzenspezifische Parameter bereithält.

Ein weiteres Highlight wird der hängende Weinberg in der Württemberger Halle sein. Weinberge sind für die Kirche ein wichtiges Symbol. Durch die Tatsache, dass sie hängen, zeigt Württemberg, dass es ein technologisch innovatives Land ist und Kirche Teil dieser Welt ist und mit ihr auch umzugehen weiß.


Die Biologin Dr. Alina Schick, die den Weinberg und die GraviPlants entwickelt hat, wird vor Ort am 12. Juli und am 3. August Führungen zu diesen Themen anbieten, bei denen es auch um ethische Fragen geht. Zum Beispiel: Wie weit darf der Mensch in der Veränderung der Natur gehen?

 

„Diese Verbindung von alter Schmiede und neuen, innovativen Ideen passt zu Württemberg, der württembergischen Landeskirche und der Geisteshaltung, die die Reformation bei uns hervorgebracht hat“, sagte Jürgen Kaiser, der Geschäftsführer der Evangelisches Medienhaus GmbH, die den Auftritt der Landeskirche in Wittenberg organisiert. „Wir sind tief verwurzelt in der Tradition und deshalb fähig, Neues, Führendes zu schaffen. Wir denken darüber nach, wie wir die Schöpfung – symbolisiert durch einen Weinberg – bewahren und zugleich an der Gestaltung der Zukunft mitarbeiten. Theologisch gesagt: welchen Beitrag wir zum Reich Gottes in der Vergangenheit geleistet haben und in Zukunft leisten wollen und können“, so Kaiser.